LIGHT OF THE FIREFLIES - Archäologie der Erinnerung
Interventionen und digitale App - Ein bilaterales Erinnerungsprojekt mit jungen Menschen an Originalschauplätzen der NS-Geschichte in Belgrad (Serbien) und Berlin (Deutschland)
Ein Projekt von Free Zone Film Festival, Belgrade, Serbia
in Kooperation mit:
spreeagenten Berlin e.V (DE)
Centre for Public History / Centar za primenjenu istoriju (SRB)
Milovan Pisarri, Association director, historian and historical researcher
Social History Association Euroclio / Udruzenje za drustvenu
istoriju Euroclio (SRB)
Nataša Kostić, Reader developer and expert, historian and educator
und
XIII beogradska gimnazija (SRB)
https://trinaestabggim.edu.rs/
Frau Dušica Biševac (Geschichte)
Ernst-Haeckel-Schule, Marzahn Hellersdorf (DE)
https://www.haeckel-os.de/
Frau Jördis Gierig (Deutsch und DS) und Frau Selma Paul (Referendarin)
Workshops Belgrade
Nikola Polić, Filmemacher
Maša Seničić, Autorin
Ksenija Terzović Djordjević, Bühnenbild und Kostüm
Tanja Drobnjak, Fotodokumentation + Kamera
Marko Nikolić, Drohne
Ana Ostojić, Projektkoordinator
Workshops Berlin
Susanne Chrudina, Theaterregisseurin, Autorin
Stefan Oppenländer, Bühnenbild und Kostüm
Branka Pavlović, Filmemacherin, Editorin, Kamera
Wolf Abraham, Fotodokumentation
Max Specht, Drohne
Chris Wohlrab, Projektkoordinator (Berlin)
Mobile App:
TOTO.io
Markus Schubert, Christoph Wanja (Berlin)
Light of the Fireflies – Archäologie der Erinnerung ist ein Projekt des Free Zone Film Festivals (Belgrad) in Kooperation mit den spreeagenten (Berlin) mit Unterstützung von CPI Belgrad, EUROCLIO Belgrad, XII Belgrader Gymnasium und der Ernst-Haeckel-Schule Berlin-Hellersdorf.
Gefördert von der Stiftung EVZ, Berlin, im Rahmen des Programms YOUNG PEOPLE REMEMBER

TRAILER Light of the Fireflies_mit UT
Zwei Teams junger Menschen in Belgrad und Berlin beschäftigten sich unter Mitwirkung der Gemeinschaft der ehemals Verfolgten und begleitet von Künstler*innen, Pädagog*innen und Historiker*innen mit Orten der Vergangenheit in ihrer Stadt, deren Geschichte wenig sichtbar oder verschüttet ist.

Recherche auf dem Gelände des Lagers Topovske šupe, Belgrad
Das Team in Belgrad setzte sich mit dem Gelände Topovske šupe auseinander, dies war das erste Konzentrationslager für Juden und Roma im besetzten Serbien, (August-November 1941).
Die Gefangenen des Lagers Topovske šupe, ausschließlich arbeitsfähige Männer, Roma aus der nahegelegenen Jatagan-Mala, sowie Juden aus Banat und Belgrad, blieben nur sehr kurz im Lager. Das Lager existierte lediglich einige Monate, und die Menschen, die dort interniert waren, konnten kaum Spuren hinterlassen. Nach dem Krieg berichteten über sie hauptsächlich überlebende Frauen, Mütter und Schwestern – oft endeten ihre Aussagen, die meist nur aus wenigen knappen Sätzen über die Verhaftung bestanden, mit „Weiteres über ihn weiß ich nicht.“
Diese Lücken, das Fehlen von Spuren und Erinnerungen, bildeten den Ausgangspunkt unseres Projektes „Light of the Fireflies – Archäologie der Erinnerung“
Schüler*innen der XIII Belgrader Gymnasiums Rade, Iva, Isidora, Katarina, Ognjen, Sofija und Vuk gingen zusammen mit den Mentoren Archivmaterialien durch, bestehend aus Fotos, Briefen und Zeugenaussagen.

Stolperstein für Ivan Ivanji - Achivcollage, Gruppenarbeit
Diese vielfältigen Informationsquellen über das Leben und Leiden der Gefangenen bildeten die Grundlage für die Erstellung von Collagen, die jeweils eine einzigartige Perspektive der Teilnehmer beim Erzählen der Geschichte des Lagers Topovske šupe darstellten. Von den Texten von Roma-Liedern bis hin zu militärischen Befehlen, von Familienszenen bis hin zu Bildern zum Verkauf des Grundstücks von Topovske šupe - enthalten die Collagen sowohl poetische als auch dokumentarische Einsichte zu diesem komplexen Thema.

BÄNDER - Intervention im öffentlichen Raum, Gelände des Lagers Topovske šupe, Belgrad
Während der Projektwoche in Belgrad vom 10. bis 16. Juni zusammen mite den Mentor*innen Maša Seničić und Nikola Polić entwickelten die Schüler*innen eine Reihe von Foto und Audio Collagen, Videoarbeitn und Interventionen im öffentlichen Raum. Die findet man in der mobilen App Light of the Fireflies wieder.
Recherche in der Ernst-Haeckel-Schule mit Stefan Oppenländer, Bühnenbildner
Die Berliner Gruppe untersuchte das Gelände des ehemaligen Zwangslagers Marzahn in das zwischen 1936 und 1945 schätzungsweise 1.200 Sinti und Roma eingewiesen wurden. Dort wurden sie nach rassenideologischen Kriterien erfasst, durch Zwangsarbeit ausgebeutet und ihre Deportation in die Vernichtungslager vorbereitet.
Nach Recherche und Spurensuche vor Ort tauschen sich die Teams in Belgrad und Berlin bilateral über die Zeit des Nationalsozialismus in ihren jeweiligen Ländern aus, entwickeln neue Formen der Erinnerungskultur, und setzen sich kritisch mit der Geschichte und der Gegenwart auseinander. Jede Gruppe entwickelt künstlerische Inhalte und Interventionen auf dem jeweiligen Gelände, die als Material in die mobile Anwendung eingehen. Durch die TOTO-App werden beide Orte virtuell verbunden und die Schicksale der Verfolgten dauerhaft kartographiert. Die App ermöglicht es den Nutzer*innen, digital die Schauplätze der Verfolgung zu durchwandern, vergangenes und gegenwärtiges Erscheinungsbild abzugleichen, und zwischen den Ländern hin und her zu wechseln. Ursachen und Auswirkungen der Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung von Tausenden von Menschen wird so im internationalen Zusammenhang sichtbar und miteinander in Verbindung gesetzt. Die künstlerischen Interventionen und Objekte verbinden sich und bleiben für die Zukunft als transnationales virtuelles Denkmal erhalten.

RASTPLATZ - intervention im öffentlichen Raum, ehemaliges Zwangslager Marzahn, Berlin
Die Projektwoche Light of the Fireflies – Archäologie der Erinnerung fand vom 1. bis 7. Juli 2024 in Berlin statt, begleitet von mehreren Vorbereitungsterminen an der Ernst-Haeckel-Schule schon im Juni 2024,. Zu diesem Anlass stellte unser Berliner Team (die Regisseurin und Autorin Susanne Chrudina, der Bühnenbildner Stefan Oppenländer und die Videokünstlerin Branka Pavlović) das Projekt Light of the Fireflies - Arcäologie der Erinnerung vor und lud die Schüler ein, sich für die Teilnahme an dem Workshop zu bewerben. Alle Interessierten hatten die Möglichkeit, unsere räumliche Installation aus Archivfotografien zur Geschichte des Lagers Marzahn und seiner Opfer zu betrachten. Sie konnten zudem durch Wortspiele, Auszüge aus den Zeugenaussagen der Überlebenden oder originalen Dokumenten versuchen zu erahnen, woran und wie wir gemeinsam arbeiten werden.
Mapping des Lagers
Für die Arbeit am Projekt in Berlin entschieden sich sieben Mädchen, Schülerinnen der 7. und 9. Klasse der Ernst-Haeckel-Schule im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf: Benjina, Juna, Kim, Lilli, Larissa, Mara und Sude. Unterstützt wurden sie von der Referendarin Frau Selma Paul und der Lehrerin Frau Jördis Gierig. In der Vorbereitungsphase im Juni 2024 arbeiteten wir mit dem Archivmaterial, Zeitzeugenberichten, Fotos und Biografien von Überlebenden, Dokumenten über Verfolgung der Sinti und Roma, und Zeitungsartikel und Stadtplänen aus der Zeit in Form einer Rauminstallation.
Wir wurden dann eines Morgens, es kann früh um vier, fünf Uhr gewesen sein, durch die SA und die Polizei aufgeschreckt. „Los, anziehen! Schnell, schnell!“ Holterdipolter. Unsere Polizisten, die wir vom Sehen kannten, waren auch dabei. Wir wurden auf Lastwagen geladen. Unsere Planwagen wurden ebenfalls mitgenommen. Wir wussten nicht, woher die Leute das Recht hatten, uns von einem Privatplatz wegzunehmen. (Otto Rosenberg)


"Und nun waren wir dort" - Intervention im öffentlichen Raum
In der Projektwoche im Juli 2024 auf dem Gelände des ehemaligen Zwangslagers Marzahn auf den Zeignissen der Überlebenden Sinti und Roma entwickelten die Teilnehmerinnen Videoarbeiten, Texte und interventionen im öffentlichen Raum.

WASSER - intervention im öffentlichen Raum

Dreharbeiten Zwangslager Marzahn, Berlin
Für ihre relativ große Installationen im öffentlichen Raum entwickelten die Teilnehmerinnen gemeinsam mit Susanne Chrudina, Stefan Oppenländer und Branka Pavlović eine entsprechende visuelle Form, so dass Mara und Lili, die Teilnehmerinnen die sich für Video und Fotografie interessierten, Videoarbeiten auch gedreht haben und den Verlauf des Workshops,Dreharbeiten und Performances parallel dokumentierten.

Dreharbeiten Topovske šupe, Belgrad
BLUMENSTRAUß - Das Niederlegen von Blumen ist zur Norm geworden. Durch das Niederlegen eines Blumenstraußes, der Gefühle von Unbehagen und Groteske hervorruft, weisen die Autoren auf das Problem der Gewöhnung an Themen wie Leid, Krieg und Völkermord hin. Mit einem Strauß, der nicht verwelkt und sich im Zentrum dieser Installation befindet, rufen wir zu einer dauerhaften Erinnerung auf. (Autor*innen: Iva Gošnjak und Rade Mirković)


Mit „Light of the Fireflies – Archäologie der Erinnerung“ setzen die Partner*innen Free Zone Film Festival Belgrad und spreeagenten Arbeiten der Vergangenheit fort, in denen sie junge Menschen und Künstler*innen zusammengebracht haben, um an die Geschichte historischer Orte der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung zu erinnern. 2017 realisierten die spreeagenten die Inszenierung „Rastplatz Marzahn“, eine auf Zeitzeug*innen-Erinnerungen basierende performative Rekonstruktion des Zwangslagers. 2021 setzte sich das Free Zone Film Festival Belgrad anlässlich des 80. Jahrestages der Gründung von Staro Sajmište, dem ehemaligen Judenlagers Semlin / Anhalterlager Semlin, künstlerisch mit diesem Ort auseinander und entwickelte einen multimedialen Spaziergang und eine mobile App.
